08.09.2010 ✞ 21.08.2026
Sechzehn Jahre · Türkisch Angora
Elis war eine Türkisch Angora Katze und hat uns 16 Jahre lang begleitet. Geboren am 08.09.2010 in Russland, gestorben am 21.08.2026 in Dresden.
Die Türkisch Angora zählt zu den ältesten Katzenrassen Europas. Benannt ist sie nach der türkischen Hauptstadt Ankara, die bis 1930 noch Angora hieß, dort ist sie seit Jahrhunderten belegt. Schon im 16. Jahrhundert kam sie als eine der ersten Langhaarkatzen überhaupt nach Europa, mitgebracht von Reisenden und Diplomaten, die von ihrem seidigen Fell und ihrem ungewöhnlichen Wesen fasziniert waren. Typisch ist der schlanke, mittelgroße Körper mit langen Beinen, ein keilförmiger Kopf mit großen, spitzen Ohren und mandelförmige Augen, die in fast jeder Farbe vorkommen können. Bei weißen Tieren tritt gelegentlich das sogenannte Odd-Eye-Phänomen auf, zwei Augen in unterschiedlichen Farben, ein Merkmal, das die Rasse besonders bekannt gemacht hat.
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Nicht jede Türkisch Angora trägt dauerhaft langes, wallendes Fell. Es ist fein und seidig, ohne dichte Unterwolle, verändert sich aber stark mit der Jahreszeit, im Sommer oft deutlich kürzer, im Winter länger und voller, vor allem am Kragen und am Schwanz. Die kurzhaarige Erscheinung ist bei der Rasse eher die Regel als die Ausnahme. Auch Elis hatte ein relativ kurzes Fell, das passt genau ins Bild und macht sie um nichts weniger zur waschechten Türkisch Angora.
Vom Charakter her ist die Türkisch Angora alles andere als eine ruhige Sofakatze. Sie gilt als sportlich, verspielt und mit hoher Intelligenz ausgestattet, wer sie unterschätzt, merkt schnell, dass kein Regal zu hoch und keine Tür zu fest verschlossen ist, wenn die Katze etwas erreichen will. Gleichzeitig ist sie ausgesprochen gesellig und anhänglich, viele Halter beschreiben das Verhalten als hundeähnlich: Die Katze folgt ihrem Menschen von Raum zu Raum und mag es gar nicht, allein zu sein.
Genau dieses Wesen hat auch Elis geprägt, sechzehn Jahre lang, Tag für Tag. Wer ein Tier so lange an seiner Seite hat, verliert kein Haustier, sondern ein Familienmitglied. Genau das war Elis für uns.
Im November 2021 kam sie per Luftfracht nach Deutschland. An diesen Tag erinnern wir uns genau: Sie stand stundenlang in der Kälte am Flughafen Berlin, und der Zollmitarbeiter, der uns damals abfertigte, war wohl der unfreundlichste Zollbeamte ever. Elis hat es aber weggesteckt. Sie war robust, das zeigte sich schon an diesem ersten Tag in ihrer neuen Heimat.
Zu Hause wurde schnell klar, wie viel Charakter in ihr steckte. Kamen wir zur Wohnungstür herein, stand sie da und begrüßte uns. Am liebsten saß sie neben dem Keybord und lauschte dem Klang, und sie besuchte uns abwechselnd in unseren Büros, als wollte sie keinen von uns bevorzugen oder jeden kontrollieren. Kraulte man sie, fing sie sofort an zu schnurren, dieses wohltuende Schnurren werden wir am meisten vermissen. Ein Freund, der ab und zu auf sie aufpasste, wenn wir im Urlaub waren, nannte sie nur noch die Diva, und wer sie kannte, wusste sofort, warum. Klug war sie obendrein. Kam die Transportbox für den Tierarztbesuch zum Vorschein, verschwand Elis augenblicklich hinter dem Sofa. Kein Locken half, sie hatte längst verstanden, was diese Box bedeutete.
Die Diagnose Lymphdrüsenkrebs traf uns hart. Wir hatten gehofft, noch mehr Zeit mit ihr zu haben. Jetzt liegt Elis auf dem Tierfriedhof Dresden, und wir besuchen sie, so oft wir können.
Dieses wohltuende Schnurren werden wir am meisten vermissen.